Funktionslisten sagen wenig darüber aus, wie sich ein Tool im Projektalltag anfühlt. Deshalb habe ich xFigura und Pelicad an einer Machbarkeitsstudie der PURE Gruppe in der Nähe des Regensburger Hauptbahnhofs getestet. Beide Plattformen bearbeiteten dieselben fünf Aufgaben. Ergänzend ordne ich ein, was sie jenseits dieses Anwendungsfalls bei Ideenfindung, Datenintegration, Bearbeitung, KI-Modellen und Exporten leisten.
xFigura und Pelicad im Überblick
xFigura ist eine offene, kollaborative Arbeitsfläche für frühe Entwurfsphasen. Prompts, Skizzen, Moodboards, Bilder und einfache 3D-Inhalte lassen sich frei kombinieren. Pelicad setzt dagegen beim vorhandenen CAD- oder BIM-Modell an und verbindet es mit KI-Visualisierung und realem Standortkontext.
Der entscheidende Unterschied liegt also nicht im Ziel, sondern im Ausgangspunkt: xFigura organisiert Ideen und Medien. Pelicad organisiert ein konkretes Projektmodell und sorgt dafür, dass dessen Geometrie und Kontext auch in späteren Bildvarianten erhalten bleiben.


Der Praxistest in Regensburg
Ausgangspunkt war ein grobes Massenmodell aus vier verbundenen Baukörpern. Noch bevor eine detaillierte Planung vorlag, sollte daraus ein Entwurf entstehen, der sich im städtischen Kontext verständlich präsentieren lässt. Dafür mussten beide Tools nacheinander dieselben fünf Aufgaben lösen.
- 1
Das Modell korrekt in den städtischen Kontext einsetzen.
- 2
Die Fassade eines Referenzbildes übertragen, ohne Geschosszahl oder Gebäudegeometrie zu verändern.
- 3
Nur das oberste Geschoss neu gestalten; alle übrigen Fassadendetails sollen unverändert bleiben.
- 4
Aus dem bisherigen Stand ein realistisches Rendering erzeugen, ohne Entwurf oder Umgebung neu zu interpretieren.
- 5
Das gesamte Bild in einen minimalistischen Architekturstil übertragen und den neuen Entwurf klar in den Mittelpunkt rücken.
Schritt für Schritt im direkten Vergleich
Jede Karte zeigt denselben Arbeitsschritt: links das Ergebnis aus Pelicad, rechts das Ergebnis aus xFigura.
- Materialien und Geometrie bleiben erhalten
- Umgebung im Skizzenstil gerendert
- Maskierung positioniert das Modell recht gut
- Keine detaillierte Positionskontrolle
Die wichtigsten Erkenntnisse
Beide Tools kamen schnell zu überzeugenden Bildern – allerdings auf unterschiedlichen Wegen. In xFigura ließen sich Referenzen frei verknüpfen, Varianten abzweigen und neue visuelle Richtungen unkompliziert ausprobieren. Pelicad spielte seine Stärke aus, sobald bereits getroffene Entscheidungen verlässlich erhalten bleiben mussten: Standort, Kubatur, Geschosszahl und Fassadendetails änderten sich nicht ungewollt von Bild zu Bild.
Besonders deutlich wurde das bei gezielten Eingriffen. Auf einer 2D-Arbeitsfläche lassen sich Ideen sehr frei bearbeiten; präzise Änderungen an einem einzelnen Geschoss erfordern jedoch saubere Masken und oft mehrere Anläufe. In Pelicad begrenzte die Auswahl konkreter Geometrien und Materialien den Arbeitsbereich der KI. Dadurch blieben die übrigen Teile des Entwurfs stabil.
Beide Workflows im Video
Die Kurzvideos zeigen den Unterschied unmittelbar: Pelicad führt präzise durch das 3D-Modell, xFigura bringt Ideen besonders schnell auf die Arbeitsfläche.
Über den Test hinaus: Plattformvergleich
Die Machbarkeitsstudie bildet nur einen Teil dessen ab, was beide Plattformen können. Für ein vollständigeres Bild lohnt sich deshalb der getrennte Blick auf Einstieg, Daten, Bearbeitung, KI-Modelle und Exporte.

Für den Start braucht es ein brauchbares 3D-Modell. Auch die Logik aus Standort, Ansichten und gezielten Bearbeitungsschritten muss man zunächst verstehen. Das kostet etwas Einarbeitung, schafft danach aber einen klaren und wiederholbaren Projektablauf.
Die browserbasierte Arbeitsfläche erschließt sich schnell. Skizzen, Moodboards, Bilder und Modellansichten können frei angeordnet, miteinander verbunden und im Team weiterentwickelt werden – ohne dass der Ablauf vorher feststehen muss.
Gängige Planungsformate wie IFC, RVT, SKP, 3DM und DWG können direkt eingebunden werden; über Speckle lassen sich Modelle aus wichtigen Entwurfsprogrammen aktualisieren. Hinzu kommen wahlweise texturierte oder untexturierte 3D-Umgebungsdaten für den realen Standort.
2D- und 3D-Quellen lassen sich unkompliziert auf einer Arbeitsfläche zusammenführen. Das ist ideal, um Material zu sichten und Ideen zu vermitteln. Im Test wurde das 3D-Modell für die weitere Bearbeitung jedoch zu einer festen Ansicht; den Standortkontext mussten wir als Bild ergänzen.
Im 3D-Viewport können einzelne Geometrien und Materialien ausgewählt und als klar begrenzter Arbeitsbereich an die KI übergeben werden. Die Werkzeuge sind stärker auf Architektur zugeschnitten und schützen Bauteile, die nicht verändert werden sollen.
Inpainting, Outpainting, Stiltransfer, Upscaling und alternative Bildzweige eröffnen viel kreativen Spielraum. Große Änderungen sind schnell angelegt. Für einen präzisen Eingriff an einem bestimmten Bauteil braucht es jedoch sorgfältige Masken und mitunter mehrere Versuche.
Pelicad setzt für die Bildbearbeitung auf eine kleinere Auswahl rund um Googles Nano Banana Pro und Nano Banana 2. Mehrere Ergebnisse können parallel erzeugt werden; im Mittelpunkt steht aber nicht die Modellvielfalt, sondern die konsistente Weiterentwicklung des Architekturprojekts.
xFigura bündelt ein deutlich breiteres Angebot für Text, Bild und 3D – darunter Modellfamilien von Google und OpenAI, FLUX, SDXL, Magnific sowie spezialisierte 3D-Generatoren wie Tripo. Varianten und parallele Generierungen lassen sich direkt nebeneinander aufbauen und vergleichen.
Der Schwerpunkt liegt auf hochauflösenden Architekturbildern und nachvollziehbaren Varianten. Pelicad erzeugt keine neuen 3D-Assets, sondern nutzt das vorhandene CAD- oder BIM-Modell als verlässliche Grundlage für Bauherrenpräsentationen, Wettbewerbe und Planungskommunikation.
Neben Standbildern unterstützt xFigura auch Bild-zu-Video- und Bild-zu-3D-Prozesse. So entstehen beispielsweise texturierte OBJ- oder GLB-Dateien, die sich für frühe Volumenstudien, Präsentationen oder die Weiterarbeit in anderen Entwurfsprogrammen eignen.
Preise von xFigura und Pelicad
xFigura zeigt seine Tarife öffentlich. Die Pelicad-Preise werden nach der kostenlosen Registrierung im Konto angezeigt. Die Tabelle fasst beide Modelle zusammen und macht sichtbar, welche Leistungen in den jeweiligen Stufen enthalten sind.
| xFigura | Pelicad | |
|---|---|---|
| Kostenloser Test | Kostenloser Tarif, 25 Credits/Monat, keine Kreditkarte erforderlich | Einige kostenlose Renderings zum Start, keine Kreditkarte erforderlich |
| Einstiegstarif | Starter, 20 $/Monat, 400 Credits, 65 3D-Generierungen | Basic, 99 €/Monat, 1 Nutzer, 180 Bilder/Monat |
| Wachstumstarif | Pro, 60 $/Monat, 1.200 Credits, 200 3D-Generierungen | Professional, 249 €/Monat, 3 Nutzer, 550 Bilder/Monat |
| Teamtarif | Nicht angeboten | Team, 499 €/Monat, 5 Nutzer, 1.300 Bilder/Monat |
| Enterprise | Individuelle Preise | Enterprise, 999 €/Monat, 10 Nutzer, 3.000 Bilder/Monat |
Die Preise sind nur bedingt direkt vergleichbar: xFigura rechnet in US-Dollar ab und nutzt Credits für Text-, Bild- und 3D-Generierungen. Pelicad berechnet seine Tarife in Euro und orientiert sich an der Zahl fertiger Bilder. Für eine erste Budgeteinschätzung ist die Übersicht dennoch hilfreich.
Welches Tool passt zu wem?
xFigura ist besonders stark, solange der Entwurfsraum noch offen ist. Moodboards, Skizzen, Referenzen und generierte Medien lassen sich ohne große Einstiegshürde zu neuen Richtungen verbinden. Das macht die Plattform interessant für frühe Ideen, Workshops und gemeinsames Entwerfen mit Bauherren oder Kollegen. Im Regensburger Test stieß dieser bildbasierte Ansatz dort an Grenzen, wo einzelne Gebäudeteile präzise verändert werden sollten und der reale Kontext unverändert bleiben musste.
Pelicad verlangt mit einem echten 3D-Modell und seinem geführten Ablauf zunächst mehr Vorbereitung. Dafür bleibt die Planung auch während der Bildgenerierung greifbar: Standort, Geometrie, Materialien und ausgewählte Bauteile geben jeder weiteren Variante einen festen Rahmen. Bei Machbarkeitsstudien, in der Entwurfsvertiefung und bei projektgetreuen Präsentationsbildern war das in unserem Test der entscheidende Vorteil.
Die Wahl hängt deshalb vor allem von der Projektphase ab. xFigura hilft, Möglichkeiten schnell zu öffnen und Ideen gemeinsam sichtbar zu machen. Pelicad hilft, eine gewählte architektonische Richtung kontrolliert weiterzuentwickeln und überzeugend im realen Kontext zu kommunizieren.
Kurzfazit:
- xFigura eignet sich besonders für frühe Ideen, Moodboards, unterschiedliche Medien und gemeinsames Arbeiten in Echtzeit.
- Pelicad bietet mehr Kontrolle, wenn Visualisierungen standortgetreu bleiben und Änderungen an konkreten CAD- oder BIM-Elementen erfolgen sollen.
- xFigura erzeugt neben Bildern auch Video- und 3D-Assets; Pelicad konzentriert sich auf konsistente, hochauflösende Architekturvisualisierungen.
- In dieser Machbarkeitsstudie hatte Pelicad die Nase vorn, sobald Geometrie, Kontext und klar begrenzte Änderungen wichtiger wurden als möglichst schnelles Erkunden.
Quellen: xFigura, xFigura Produktinformationen, xFigura Preise, Pelicad, So funktioniert Pelicad, Pelicad für Architekten, interne Pelicad-Produkt- und Preisdokumentation sowie die Vergleichsdaten aus diesem Test.
