Straßenbauprojekte werden über Querschnitte, Lagepläne und Verkehrszahlen entschieden. Die Menschen, die an der Straße wohnen, lesen diese Unterlagen selten. Ein Umbau kommt bei ihnen deshalb oft als Baustelle an und nicht als Verbesserung. ViBeS schließt diese Lücke: Aus Planungsdaten entsteht eine Straße, die man virtuell befahren kann, mit realistischem Alltagsverkehr und zu einem Zeitpunkt, an dem die Planung noch änderbar ist.


ViBeS wird im Rahmen des EFRE/JTF-Programms NRW 2021-2027 gefördert und von der Europäischen Union sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen kofinanziert. Hintergründe zur Förderung nachhaltiger städtischer Mobilität in NRW finden Sie auf efre.nrw.
Warum eine virtuelle Befahrung
Statische Visualisierungen zeigen, wie eine Straße aussehen wird. Sie beantworten nicht die Frage, die Anwohnerinnen und Anwohner tatsächlich haben: Wie funktioniert das, wenn ich es benutze? Ein neuer Radweg, eine schmalere Fahrbahn oder ein umgebauter Knotenpunkt wird vom Fahrersitz, vom Sattel oder vom Gehweg aus beurteilt - und zwar im Verkehr.
ViBeS verbindet deshalb die geplante Geometrie mit realistischem Verkehr. Teilnehmende erleben den heutigen und den geplanten Zustand unter vergleichbaren Bedingungen und geben Rückmeldung aus dieser Erfahrung heraus. Wer nicht zum Simulator kommen kann, bekommt die gleichen Szenarien als Web-Video, zusammen mit einem strukturierten Umfragewerkzeug.
Was Pelicad im Projekt baut
Pelicad koordiniert das Konsortium und verantwortet alles zwischen Planungsdatei und virtueller Welt. Ziel ist ein automatisierter Dienst und kein Modell, das für jedes Projekt von Hand neu aufgebaut wird:
- Offene Eingabe, offene Ausgabe. IFC-Modelle aus der Planung werden importiert, bereinigt, für Echtzeit vereinfacht und als GLTF ausgegeben.
- KI-gestützte Texturierung. Position, Bauteilzuordnung und Materialbeschreibungen im IFC-Modell werden gegen eine Materialdatenbank für Straßeninfrastruktur abgeglichen. Oberflächen werden damit automatisch texturiert statt manuell.
- Echter städtebaulicher Kontext. Das Planungsmodell wird georeferenziert und mit offenen Stadtmodellen aus dem GEOportal.NRW zusammengeführt. Der betroffene Bereich wird durch die neue Planung ersetzt und per FBX an die Simulation übergeben.
- Systemintegration. GLTF-Pipeline und Materialdatenbank werden an die Unity-Umgebung angebunden, in der die Simulation gerendert wird.
Das ist dasselbe Problem, an dem wir in Stadtprojekten wie der Lütticher Straße in Aachen, der Ehrenstraße in Köln und den Vier Wällen in Krefeld arbeiten. Der Unterschied liegt im Zielformat: keine AR-Ansicht auf dem Smartphone, sondern eine befahrbare Simulation.
Wer beteiligt ist
- Pelicad - Konsortialkoordination, Analyse digitaler Planungsdaten, Erstellung der virtuellen Realität, Schnittstellen.
- RWTH Aachen, Institut für Straßenwesen (ISAC) - logisches Straßenmodell, Verkehrsszenarien aus realen Messungen, semi-automatische SUMO-Simulationen im Unity-Rendering, bestehender Fahrsimulator und neuer Fahrradsimulator sowie die wissenschaftliche Begleitung.
- Kempen Krause Ingenieure - Planungs- und Beteiligungsprozess, BIM-basierte Planungsdaten und das Pilotprojekt.
Die Stadt Aachen, die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), DTV-Verkehrsconsult und Gevas Humberg & Partner unterstützen das Projekt als assoziierte Partner.
